Coronavirus bedroht Lieferketten – Schnelles Handeln ist gefragt

21.02.2020

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München, 21.02.2020 - Die rasante Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 in China ist eine menschliche Tragödie. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass das Virus nicht nur Menschenleben bedroht, sondern dass der virusbedingte Produktionsstopp und Städteblockaden auch die global vernetzten Liefernetzwerke unterbrechen. Das betrifft nicht zuletzt die zahlreichen deutschen Unternehmen, die Vorleistungsgüter aus China beziehen und mit starken Verzögerungen bei der Aus- und Anlieferung rechnen müssen.

Auswirkungen. China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist ein Schlüsselglied in vielen weltweiten Wertschöpfungsketten. Die Blockade in 13 Städten der Provinz Hubei, einer wichtigen Industrie- und Logistikregion in Zentralchina, führt schon heute zu starken Einschränkungen des Gütertransports auf den Land-, Luft- und Seeverkehrsrouten in und aus der Region. So hat der Risk-Management-Spezialist riskmethods, der rund um die Uhr Supply-Chain-Risiken identifiziert, seinen Kunden seit Ausbruch der Pandemie Warnungen zu mehr als 47.000 betroffenen Lieferantenstandorten gemeldet.

Das Problem: Noch ist das weitere Ausmaß der Krise schwer abschätzbar. Inzwischen berichten alle Provinzen des Landes von Covid-19-Infektionen. Es könnte Monate dauern, bis logistische Knotenpunkte und Versorgungswege wieder voll zur Verfügung stehen. Hier sind vor allem Auswirkungen auf Lieferungen für die Elektronik-, Halbleiter-, Pharma-, Optoelektronik-, Chemie- und Automobilindustrie zu erwarten. Wer aktuell noch keine Einschränkungen feststellt, kann nicht davon ausgehen, auch zukünftig von Lieferengpässen verschont zu bleiben, da Auswirkungen in vielen Fällen erst zeitversetzt spürbar werden. Denn viele Komponenten durchlaufen zuerst verschiedene Wertschöpfungsstufen, bevor sie in Deutschland oder Europa weiterverarbeitet werden. Da auch die Lieferung von Gütern und Rohstoffen aus dem chinesischen Hinterland in die Industriezentren ins Stocken gerät, werden Fabriken selbst bei Wiederaufnahme der Produktion nicht volle Kapazität fahren können.

Viele Unternehmen suchen bereits nach alternativen Lieferanten, Routen und Transportmitteln. „Logistik- und Einkaufsverantwortliche sollten deshalb nicht abwarten, sondern proaktiv auf die Krise reagieren, um jetzt die Auswirkungen auf ihre Lieferkette identifizieren und abschwächen zu können“, sagt Heiko Schwarz, Mitgründer des Münchner Risk-Management-Spezialisten riskmethods, und empfiehlt ein dreistufiges Vorgehen.

Kurzfristige Maßnahmen. Unternehmen sollten sich schnell Transparenz auf allen Ebenen der Lieferkette bis zu den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen verschaffen: Welche Lieferanten sind betroffen? Welche Materialien oder Teile? Welche Produkte benötigen diese Teile? Welche Kunden sind betroffen? „Dank künstlicher Intelligenz muss das nicht Wochen dauern. Die Plug-and-Play-Technologie von riskmethods ermöglicht zum Beispiel, das Liefernetzwerk schon in 24 Stunden zu überprüfen, Störungen rund um die Uhr zu melden und ihre Auswirkungen zu bewerten, um dann die Ressourcen auf die kritischsten Punkte zu konzentrieren“, so Schwarz. Dafür werden Millionen von Daten aus globalen Medienpublikationen und Risikodatenbanken gefiltert und laufend aktualisiert.

Mittelfristige Maßnahmen. Um den Geschäftsbetrieb zu sichern, sollten kritische Bezugsquellen und Versorgungswege nach Möglichkeit so diversifiziert werden, dass zwischen verschiedenen Handlungsoptionen gewählt werden kann, um Lieferengpässe zu vermeiden. Wo das aufgrund von ökonomischem Druck nicht möglich ist, gibt es eine Vielzahl von alternativen Risikomanagement-Strategien bis hin zur Absicherung des Finanzrisikos durch eine Spezialversicherung. Auch hier kann Technologie helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen und Maßnahmen zur Schadensbegrenzung zu koordinieren. riskmethods-Tools bewerten automatisiert die Kritikalität von Zulieferern auf Warengruppenebene, erkennen verdeckte Abhängigkeiten und untersuchen die Verfügbarkeit alternativer Bezugsquellen.

Langfristige Maßnahmen. Unternehmen sollten Risikolagen wie diese zum Anlass nehmen, um über ein verbessertes Risikomanagement nachzudenken, das präventive Szenario- und Maßnahmenplanung mit Fokus auf strategisch konzentrierte Lieferanten einschließt. Heiko Schwarz: „Risiken wird es immer geben, seien sie durch Pandemien, Naturkatastrophen oder wirtschaftliche Krisen verursacht. Wichtig ist, vorbereitet zu sein, wenn der Krisenfall eintritt. Je mehr Automation, desto mehr Zeit zum proaktiven Handeln.“ Dank künstlicher Intelligenz und einem ganzheitlichen Supply Chain Risk Management-System stehen den Unternehmen mittlerweile ganz neue Möglichkeiten zur Verfügung, die Risiken einer immer globaler werdenden Lieferkette zu meistern.

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