Halbleiter-Engpass: Was sind die Gründe und wie können Sie sich schützen?

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Halbleiter-im-Einsatz

Plötzlich sind elektronische Bauteile Mangelware, vor allem in der Automobilindustrie. Kam das wirklich unerwartet? Es gibt eine Reihe von scheinbar unabhängigen Faktoren, die schon auf den nahenden Engpass bei Halbleitern hingedeutet haben. Lesen Sie mehr.

 

Inhalt

  1. Was sind Gründe für den Halbleiter-Engpass
  2. Wie Sie Ihre Lieferkette proaktiv absichern
  3. Wie Risikomanagement Ihnen hilft, Engpässe zu vermeiden

Mehr Sport, bessere Ernährung und mehr Zeit für die Familie sind drei gute Vorsätze zum neuen Jahr. Ein weiterer möglicher Vorsatz könnte der sogenannte digitale Entzug sein, also weniger Zeit am Handy, PC, Fernseher oder anderen mobilen Endgeräten zu verbringen.

Doch dieses Jahr ist die digitale Abstinenz nicht unbedingt freiwillig. Sie haben vielleicht bemerkt, dass sich derzeit die Markteinführung neuer Produkte in der Unterhaltungselektronik verzögert. Beispielsweise bei Spielekonsolen, Kameras, Laptops und Smartphones. Grund ist die weltweit mangelnde Versorgung bei elektronischen Bauteilen. Vor allem Halbleiter sind knapp.

Ohne diese wichtigen Mikrochips läuft kein Endgerät – und auch kein Auto. Fehlende Halbleiter bremsen die Autobranche aus und legen die Produktion lahm - nicht nur die deutsche Autoindustrie wie VW, Daimler und Audi sind betroffen, sondern auch Ford, Honda, Fiat Chrysler, Suzuki, Toyota – selbst chinesische Marken wie GAC und Great Wall.

Was sind die Gründe für den Halbleiter-Engpass? Zum einen die COVID-19-Pandemie. Aber gleichzeitig gibt es eine Reihe unterschiedlicher Entwicklungen, die sich bis ins Jahr 2020 zurückverfolgen lassen. Alle diese Risiken stören das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und führen zu Unterbrechungen in der Lieferkette.

Was sind Gründe für den Halbleiter-Engpass?

Rückgang des Angebots: Knapp 60 % der weltweiten Halbleiterhersteller befinden sich im Asien-Pazifik-Raum. Investitionsdefizite in der Produktion von 8-Zoll-Chips in Südostasien ließen sich schon früh beobachten und waren schon vor den Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie Anfang 2020 erkennbar. Das betraf vor allem die 200mm-Silizium-Wafer für die Mikroelektronik, welche von asiatischen Chip-Produzenten hergestellt werden.

  • Geopolitische Faktoren: Die USA verschärften ihre Sanktionen gegen China über das ganze Jahr. In der Folge wurde der größte Chip-Produzent Chinas, Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC), im Dezember auf die schwarze Liste gesetzt und nicht mehr mit Komponenten aus den USA beliefert.
  • Wachstumsschwäche, Arbeitskonflikte: Die Erholung in Europa lässt auf sich warten. Lockdowns infolge der Corona-Pandemie sowie Streiks in Frankreich und Italien beim Schweizer Chip-Hersteller STMicroelectronics führten zu einem knapp achtprozentigen Produktionsrückgang von Halbleiterbauelementen.
  • Brände und Explosionen: Im Oktober 2020 verursachten ein Brand und eine Explosion schwere Schäden beim japanischen Chip-Hersteller Asahi Kasei Microdevices. Im November löste ein Brand im taiwanesischen Werk von Unimicron Technology einen Versorgungsengpass bei IC (Integrierter Schaltkreis) Substraten aus.

Anstieg der Nachfrage: In der Corona-Pandemie wurde mehr Unterhaltungselektronik gekauft. Home Office und Lockdowns ließen die Nachfrage nach 5G-Smartphones, Laptops und anderer Heimelektronik steigen. Auch Autos sind wahre Computer auf Rädern, in denen für den Betrieb von Batterien, Fahrerassistenzsystemen und In-Car-Entertainment immer mehr elektronische Bauteile, die auf Halbleiter basieren, verbaut sind.

Wie Sie Ihre Lieferkette proaktiv absichern

Verspätete Produkteinführungen, Leerlauf an Montagebändern, unfreiwillige Kurzarbeit: Wie lassen sich solche Störungen vermeiden? Indem Sie Ihre Supply Chain und das gesamte Liefernetzwerk widerstandsfähiger machen. Für die Zukunft geben wir folgende Empfehlungen:

  1. Transparenz bei den Vorlieferanten ist wichtig. Halten Sie die vorgelagerte Ebene der Supply Chain im Blick, zum Beispiel Chips und Leiterplatten. Wenn diese elektronischen Bauteile nicht verfügbar sind, können Ihre Direktlieferanten Sie nicht versorgen.
  2. Tools zur Risiko-Visualisierung und -Analyse sind der Schlüssel. Bei einem Halbleiter-Engpass sollten Sie die geografische Ausbreitung und alle Risikobereiche kennen. Scheinbar unzusammenhängende Nachrichten werden so zu nützlichen Informationen. Erkennen Sie Muster und visualisieren Sie die Verbindungen. So können Sie die Auswirkungen von Störungen einschätzen und Maßnahmen ergreifen.
  3. Bei strategischen oder kritischen Halbleiterbauteilen ist es sinnvoll, nicht nur die bestehenden (Unter-)Lieferanten zu betrachten, sondern auch die Marktentwicklung im Auge zu behalten. Berücksichtigen Sie auch geopolitische Einflussfaktoren sowie Logistikwege (und dabei zum Beispiel Extremwetterlagen oder wichtige Häfen).

Wie Risikomanagement Ihnen hilft, Engpässe zu vermeiden

Mann-analysiert-Dashboard

Als sich der Halbleiter-Engpass abzeichnete, waren unsere Kunden schon informiert. Die riskmethods Solution™ gab im Januar 2020 die ersten Risikomeldungen aus. riskmethods Risk Intelligence™ durchforstet Millionen von Datenquellen. Es folgten Warnungen für die oben aufgeführten Risikofaktoren, die zum Chip-Engpass beigetragen haben. Aber die riskmethods-Lösung liefert nicht nur Warnmeldungen beim Eintritt von Risikoereignissen.

Mit den Dashboard- und Analysetools der riskmethods-Lösung lassen sich Risikomuster erkennen. Wir stellen Ihnen auch Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe Sie die potenziellen Auswirkungen von Bedrohungen abschätzen können. So sehen Sie, wo Ihr Liefernetzwerk widerstandsfähiger werden muss. Sie können Risikoinformationen in Ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen und proaktiv Maßnahmen zur Risikominderung ableiten.

Durch Digitalisierung kann die Effizienz noch gesteigert werden und Sie sparen Zeit und Geld. Das ist besser als ein digitaler Entzug! Gewinnen Sie Zeit zurück und machen Sie den Kopf frei mit Hilfe von KI-basiertem Supply-Chain-Risikomanagement.

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